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Nach einem Entwurf von Studenten der RWTH Aachen University.
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Themen & Top-BegriffeAachener Zeitung / Aachener Nachrichten vom 08.12.2011
VON HERMANN-JOSEF DELONGE
Aachen. "Wir brauchen Sparkassen statt Zockerbuden." So hat es Oskar Lafontaine, die Leitfigur der Linken, vor kurzem formuliert. Die gute alte Sparkasse als Gegen- und Zukunftsmodell: Hubert Herpers, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Aachen, wird es gern gehört haben. Ein Gespräch über Protestbewegungen, die Politik im Clinch mit den Märkten und Erwartungen an den anstehenden, vielleicht entscheidenden EU-Gipfel.
Herr Herpers, können Sie die Demonstranten der Occupy-Bewegung in New York, Frankfurt und anderswo verstehen?
Herpers: Ja, selbstverständlich. Die Occupy-Bewegung richtet sich ja nicht in erster Linie gegen die Banken. In den USA haben die Demonstranten formuliert, dass sie die 99 Prozent der Bevölkerung sind, die nicht länger "die Gier und Korruption von einem Prozent der Bevölkerung hinnehmen wird". Es geht also um soziale Gerechtigkeit und Demokratie. Die Menschen verstehen nicht mehr, was die Politiker und natürlich auch die Banken tun. Und das in einer Zeit, in der die Presse täglich von kriselnden Banken berichtet, die mit Milliardenhilfen der Staaten gerettet werden müssen. Da werden die Banken natürlich schnell zum Symbol bzw. zum Feindbild. Ich kann mich mit den Zielen der Occupy-Bewegung voll identifizieren und auch ich sage: Den Geschäften, die keinen Bezug zur realen Wirtschaft mehr haben, muss Einhalt geboten werden.
Erleben wir eine Bankenkrise oder nicht eher eine Krise der Politik?
Herpers: Die Banken stehen zwar oft im Fokus und sicherlich gibt es noch eine Menge Regulierungsbedarf, aber die Hauptgründe für die derzeitige Krise Europas liegen nach meiner Wahrnehmung in zwei anderen Bereichen: Die (zu) hohen Schuldenstände einiger europäischer Staaten einerseits und die fehlende Harmonisierung der europäischen Wirtschaftspolitik.
Wie bewerten Sie das Krisenmanagement der Politik?
Herpers: Nach meiner Einschätzung ist mittlerweile allen Akteuren klar geworden, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Allerdings sind in allen Ländern handfeste nationale Interessen vorhanden, die sich teilweise konträr gegenüberstehen. In einer Währungsunion ist es unabdingbar, dass alle Teilnehmer eine möglichst gleichgerichtete Wirtschafts- und Finanzpolitik verfolgen. Die Euro-Staaten hatten und haben mit dem Stabilitäts- und Wachstumspakt klare Regeln zur Haushaltsdisziplin. Nun geht es darum, diese Regeln endlich einzuhalten. Ich beobachte, dass viele Euroländer noch nicht bereit sind für notwendige, große Reformen. Insbesondere die schwachen Euroländer tun sich bei ihren Reformbemühungen schwer damit, eine engere Haushaltsüberwachung durch die EU und bei Fehlverhalten mögliche Sanktionen zu akzeptieren.
Aber wie tauglich sind politische Instrumentarien überhaupt, um die Finanzmärkte positiv beeinflussen zu können?
Herpers: Das A und O ist die Haushaltsdisziplin. Wenn es gelingt, einerseits das Finanzsystem zu stabilisieren und auf seine originären Aufgaben zurückzuführen und andererseits die Mitgliedsstaaten der EU stärker zu einer Haushaltskonsolidierung und künftig zu einer stabilitätsorientierteren Politik zu bewegen, dann werden auch die Märkte dies honorieren. Insofern können politische Instrumentarien zumindest die Voraussetzungen schaffen, um die Märkte zu beeinflussen. Ich erwarte vom EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag ein entsprechendes, klares Signal.
Was taugen Eurobonds?
Herpers: Eurobonds bedeuten eine gemeinsame Schuldenaufnahme der Euro-Staaten. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass eine solche Subventionierung schwächerer Partner zu Lasten der stärkeren Länder Fehlanreize setzt. Wenn sich jeder sicher sein kann, bei eigenen Fehlentscheidungen durch andere aufgefangen zu werden, dann ist die Versuchung groß, die drängenden Probleme unserer Zeit eben nicht zu lösen, sondern weiter vor sich her zu schieben. Eurobonds würden die strukturellen Haushaltsprobleme vieler Euro-Staaten am allerwenigsten lösen. Insofern teile ich die Auffassung von Bundesregierung und Bundesbank, die beide Eurobonds strikt ablehnen. Unterschiedliche Risiken müssen unterschiedlich bepreist werden. Ein Einlenken halte ich nur dann für vertretbar, wenn vorher verbindliche und einklagbare Vereinbarungen zu einer gemeinsamen Finanzpolitik der Euro-Staaten getroffen worden sind.
Welche Rolle sollte die EZB spielen? Die Notenpresse anwerfen, noch mehr Staatsanleihen aufkaufen?
Herpers: Es war nach deutscher Auffassung immer Aufgabe der Zentralbank, für Preisstabilität zu sorgen und Inflation zu bekämpfen - und eben nicht, fiskalpolitische Effekte herbeizuführen. Ich denke, dass es sich um einen Irrglauben handelt, immer mehr zusätzliche Liquidität würde unsere Probleme lösen. Kurzfristig mag dieses Mittel hilfreich sein, auf lange Sicht führt es unweigerlich zu höherer Inflation. Gleiches gilt für den Ankauf von Staatsanleihen. Es ist Aufgabe der Regierungen, für angemessene Bedingungen für die Finanzierung ihrer Staatsausgaben zu sorgen. Dies kann und sollte nicht auf die EZB abgewälzt werden.
Vor der Krise waren die coolen Investment-Zocker angesagt, jetzt erlebt das gute alte Sparkassen-Modell eine Renaissance. Was aber macht eine gute Sparkasse aus?
Herpers: Sparkassen betreiben klassisches Bankgeschäft. Für sie sind Einlagen aus der Region und Kredite für die Region unverändert Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit. So lassen wir die Finger von Spekulationsgeschäften ohne realwirtschaftlichen Hintergrund. Auch hat die Sparkasse Aachen keine Staatsanleihen der sogenannten PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien, Anm. d. Red.). Wir kennen unsere Kunden und unser Geschäftsgebiet und sind wegen unserer Nähe zum Kunden auch in schwierigen Zeiten ein verlässlicher Kreditpartner. So langweilig und konservativ dieses Geschäftsmodell auch erscheinen mag, so erfolgreich ist es - seit mehr als 200 Jahren!
Wie groß ist die Verunsicherung Ihrer Kunden?
Herpers: Ein gewisses Maß ist sicher erkennbar. Unsere Berater und auch ich selbst führen jeden Tag viele Gespräche mit Kunden, die die komplizierten Zusammenhänge, z.B. rund um den Euro-Rettungsschirm EFSF, kaum noch nachvollziehen können. Dann kommt automatisch die Frage auf, wie sich diese Krisensituation weiter entwickelt und ob die eigenen Spareinlagen noch sicher sind. Dies kann ich ihnen für die Sparkasse Aachen nur immer wieder vollumfänglich bestätigen.
Was sollten Sparer denn mit ihrem Geld tun? Ausgeben oder in den Sparstrumpf stecken? Herpers: Da haben Sie eine wichtige Alternative nicht genannt: den Gang zur Sparkasse. Das Sparen wird immer eine wesentliche Bedeutung haben. Und ich betone an dieser Stelle: Die Spareinlagen sind bei der Sparkasse deutlich sicherer und besser aufgehoben als im Sparstrumpf oder unter der Matratze. Natürlich ist auch der private Konsum wichtig. Er ist auch der Grund, weshalb sich die deutsche Wirtschaft und insbesondere der Arbeitsmarkt in der aktuellen Situation robust zeigt.
Sichere Anlagen werfen derzeit nur Mini-Zinsen ab. Müssen wir uns auf längere Sicht damit abfinden?
Herpers: Ich denke in der Tat, dass die gegenwärtige wirtschaftliche Lage in Europa in absehbarer Zeit keine starken Zinserhöhungen durch die EZB erwarten lässt. Ganz im Gegenteil mehren sich momentan die Stimmen, die weitere Zinssenkungen fordern, um die Konjunktur anzukurbeln. Gerade in einer solchen Situation ist es für den Anleger wichtig, sich mit dem Berater seines Vertrauens um eine vernünftige Strukturierung seiner Geldanlagen zu kümmern. Bedenken Sie aber bitte auch die andere Seite der Medaille: Finanzieren war selten so günstig wie heute!
Die viertgrößte Sparkasse in NRW
Die Sparkasse Aachen ist mit gut 2000 Mitarbeitern, einer Bilanzsumme von gut 9,3 Milliarden, einem Einlagenvolumen von gut sieben Milliarden Euro und einem Kreditgeschäftvolumen von 6,27 Milliarden Euro (bezogen auf 2010) die viertgrößte Sparkasse in NRW.
429 Sparkassen gibt es in Deutschland. Dachverband ist der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, der sich mit Georg Fahrenschon einen Ex-Politiker zum neuen Präsidenten gewählt hat. Dazu Hubert Herpers: "Fahrenschon bringt seine besonderen Kenntnisse als Finanzminister Bayerns, aber insbesondere auch die Erfahrungen aus seinen Tätigkeiten in den Gremien der Sparkassen-Finanzgruppe ein. Ich bin überzeugt, dass er die erfolgreiche Arbeit des amtierenden Präsidenten Heinrich Haasis ab Mai 2012 in guter Weise fortsetzen wird und freue mich auf eine konstruktive Zusammenarbeit."